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Gewerkschaften im Land der aufgehenden Sonne

Diese Website beschäftigt sich mit japanischen Gewerkschaften. Dabei wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten gegeben und dann untersucht, wie diese Entwicklungen zustande kamen.

Im folgenden lesen Sie einen semi-akademischen Aufsatz über japanische Gewerkschaften. Der Artikel hat zwei Ziele: Erstens, will er dem Leser die japanischen Gewerkschaften näher bringen und zweitens ihre komplexe Problematik erläutern. Teilweise lässt sich diese Problematik auch auf andere Volkswirtschaften übertragen, wenn auch nur in begrenztem Maße.



Japanische Gewerkschaften

Ganz im Gegensatz zu deutschen, britischen oder amerikanischen Gewerkschaften, sind japanische Gewerkschaften keine Massenorganisationen die sich über eine Unmenge an Unternehmen, teilweise über mehrere Branchen, hinweg erstrecken. Vielmehr ist das japanische Gewerkschaftsmodell das der sogenannten 'enterprise unions' ('Unternehmens-Gewerkschaften'). Vereinfacht heißt das, jedes Unternehmen hat seine eigene Gewerkschaft. Aber die Zersplitterung geht noch weiter. Auch Tochterfirmen können eigene Gewerkschaften haben. Sogar einzelne Fabriken oder Produktionstandorte können eigene Gewerkschaften haben, die nur durch lose gemeinsame Verbundsorganisationen (mehr schlecht als recht) zusammengehalten werden. Um dabei trotzdem ausreichende Verhandlungsmacht zu haben und die Anwerbung gewerkschaftsloser Arbeiter in den Unternehmen unmöglich zu machen, haben die Gewerkschaften in manchen Unternehmen einst ein sog. 'Union Shop Agreement' mit dem Unternehmen ausgehandelt. Eine solche Vereinbarung sorgt dafür, dass neue Mitarbeiter automatisch in die Gewerkschaft eintreten (müssen). Allerdings sind diese Vereinbarungen nicht immer vorhanden, noch nicht einmal die Regel.

Man könnte meinen solche 'Unternehmens-Gewerkschaften' wie die japanischen würden sich zusammenschließen, um ihre Macht zu vergrößern. Nicht so in Japan. Ein perfektes Äquivalent des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) existiert nicht. Die 'enterprise unions' sind in einem losen Verbund, der Dachorganisation Rengo untergebracht.

Rengo dient dazu, den alljährlichen, überall in Japan gleichzeitig stattfindenden Tarifstreit (genannt: Shunto) zu organisieren. Innerhalb eines großen Unternehmens mit vielen Tochtergesellschaften, wie z.B. Toyota, sind einzelne Gewerkschaften auf Betriebs- oder Tochtergesellschaftenebene durch sogenannte Roren verbunden. Die Gewerkschaften verschiedener Tochterfirmen (und der Mutterfirma) sind dann also in der Toyota-Roren organisiert. Solche Roren geben die gemeinsamen Ziele für den Tarifstreit aus, verhandeln diese aber nicht selber. Vielmehr ist am Ende immernoch jede einzelne Gewerkschaft für das Ergebnis Ihrer Verhandlungen zuständig.


Was sich verändert hat

Nachdem jetzt die generelle Natur des japanischen System der Gewerkschaften erläutert wurde, soll mit den Änderungen fortgefahren werden, die japanische Gewerkschaften heute im Vergleich zu früher kennzeichnen. Am auffälligsten mag wohl sein, wie massiv die Mitgliederzahlen abgenommen haben. Laut einem Bericht der zuständigen Behörde (des japanischen Instituts für Arbeits(markt)politik und Ausbildung) waren 2007 nur noch 16 von 100 Japanern in Gewerkschaften organisiert. Laut einigen Autoren, startete der Rückgang der Mitgliederzahlen bereits in den 1970ern (vgl. z.B. Fujimara 1988).

Gleichwohl haben japanische Gewerkschaften Macht verloren, ohne dass das direkt mit dem Mitgliederrückgang zusammenhinge. Sie haben Macht vielmehr auch deswegen verloren, weil der koordinierte Ansatz in Bezug auf Tarifverhandlungen (Shunto, also die gleichzeitigen Verhandlungen aller japanischen Gewerkschaften im Frühjahr) an Stärke verloren hat und die Gewerkschaftszusammenschlüsse an Macht verloren haben, sowohl die auf Unternehmens/Konzernebene (Roren) als auch der nationale Zusammenschluss (Rengo). Das bedeutet, dass die übriggebliebene Schlagkraft der Gewerkschaften ganz und gar auf Firmen- oder Betriebsebene zu suchen ist.

Dort aber ist sie nicht selten durch japanische Manager beschränkt. Oft werden (auf Wunsch der Geschäftsleitung) Jungmanager in Gewerkschaftsräte gewählt, was nicht gerade dazu beiträgt, die Rechte der japanischen Arbeiter zu stärken oder aber dazu beiträgt, dass Gewerkschaften nach neuen Mitgliedern außerhalb ihres "angestammten Klientels" suchen würden.

Diese Probleme haben sich, um es genau zu nehmen, weniger aus einer Änderung der japanischen Gewerkschaften ergeben, als vielmehr durch die fast schon lethargische Starre der japanischen Gewerkschaften in Angesicht breiterer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verwerfungen. Weiterlesen.